„Ein Projekt – wie aus der Zeit gefallen“

15. August 2019  Kommunales Schwetzingen

In Anwesenheit vieler interessierter Gäste beschloss heute DIE LINKE. Schwetzingen bei ihrer Mitgliederversammlung einstimmig die folgende Pressemitteilung, die durch den Genossen Florian Reck an die lokalen Medien versendet wurde:

Projekt „Entenpfuhl“ Kiesabbau oder Klimaschutz

“Wie bereits in der Presse zu lesen war, plant das Unternehmen »Heinrich Krieger KG« aus Neckarsteinach derzeit den Neuaufschluss einer Abbaustätte zur Kies-und Sandgewinnung im Gewann „Entenpfuhl“ auf der Gemarkung #Schwetzingen. Dies stand bereits vor einigen Jahren zur Debatte: Zur Deckung des Rohstoff­­bedarfs für die Metropol­region Rhein-Neckar sollten auf Grundstücken des Landes Baden-Württemberg rund 24,5 Hektar Wald einem Baggersee mit Kies- und Betonwerk weichen. Dann hieß es zunächst, das Vorhaben sei vom Tisch.

Jetzt aber, Jahre später, zeigt sich, die Planung wurde keineswegs eingestellt, sondern nur ausgesetzt. Plötzlich ist die Angelegenheit wieder »auf dem Tisch« und scheint, vorbehaltlich wasserrechtlicher Überprüfungen durch den Rhein-Neckar-Kreis, bereits weitestgehend beschlossene Sache zu sein. Allerdings ist mittlerweile nicht mehr von 24,5 Hektar abzuholzendem Wald die Rede, sondern von rund 42 Hektar – was beinahe dem gesamten Wald entspricht. Dies kommt fast einer Verdopplung der Fläche gleich, was von der »Heinrich Krieger KG« dadurch begründet wird, dass die nötigen Investitionen sich angeblich bei einer kleineren Fläche nicht amortisieren würden.
DIE LINKE in Schwetzingen und Umgebung meint: In Zeiten eines neuen Baumsterbens aufgrund von Trockenheit und Klimaerwärmung, in Zeiten eines sich beschleunigenden Klimawandels, der längst sehr deutlich die Rhein-Neckar Region betrifft, müssen sämtliche Entwicklungsvorhaben an erster Stelle konsequent und umfassend auf ihre Umwelt- und Klimabilanz überprüft werden.

Der Wald im »Entenpfuhl« wird zwar in den öffentlichen Unterlagen zum neu angelaufenen Planfeststellungsverfahren als ökologisch nicht sehr wertvoll dargestellt, jedoch bietet er Lebensraum für zahlreiche seltene und bedrohte Tierarten und ist sowohl Klimaschutzwald und Immissionsschutzwald als auch teilweise als Bodenschutzwald ausgewiesen.

Es stellt sich außerdem die Frage, wie sich ein langfristig bewirtschafteter Baggersee am vorgesehenen Standort auf die Trinkwassergüte und -verfügbarkeit vor Ort auswirkt, und welche Kosten auf die öffentliche Hand zur Aufbereitung des Trinkwassers bei niedrigerem Grundwasserstand zukommen können. Dazu ergänzt Werner Zieger, Stadtrat der Partei DIE LINKE in Schwetzingen: »Beim Gebiet ›Entenpfuhl‹ muss unbedingt die Frage geklärt werden, ob und wie weit der spätere Baggersee das Grundwasser im Einzugsgebiet des Wasserwerks Schwetzinger Hardt beeinträchtigt oder gar schädlich für die Grundversorgung mit Trinkwasser ist. Ferner sollten wir uns doch fragen, ob es nicht in unser aller Interesse sein sollte, das Waldstück, Gewann ›Entenpfuhl‹, als naturnahen Lebensraum zu belassen um so unser Trinkwasser zu schützen.«

Während Jugendliche bei den »Fridays for Future Deutschland« wöchentlich vielerorts mit großem Engagement auf die Klimaproblematik hinweisen, während Natur- und Umweltschutzverbände Wildblumenwiesen anlegen, Wildhecken und Streuobstwiesen pflegen oder Insektenhotels bauen und während Gärtnerinnen und Gärtner angehalten werden, ihre Grundstücke möglichst umwelt- und artenschutzfreundlich zu gestalten, erscheint ein überdimensioniertes Vorhaben wie das geplante Kies- und Betonwerk im »Entenpfuhl« wie aus der Zeit gefallen: Welchen Sinn sollen all die genannten Einzelmaßnahmen erfüllen, wenn hier ein ganzer Wald einfach so beseitigt wird – und zwar in einem solchen Maße, dass ein ökologischer Ausgleich dafür völlig unmöglich erscheint?

Selbstverständlich werden nach wie vor Baustoffe in der Region – insbesondere für einen dringend notwendigen öffentlich-sozialen Wohnungsbau – benötigt. Vor allem in #Heidelberg führt das Fehlen von bezahlbarem Wohnraum und die damit einhergehende Verdrängung von Menschen mit geringeren Einkommen aus den Metropolzentren in die umliegenden Gemeinden zu einer stetigen Zunahme von klimaschädlichem Pendelverkehr. Dass (auch) gebaut werden muss, steht also gar nicht zur Debatte, allerdings stellt sich die Frage, ob die dafür benötigten Rohstoffe ausgerechnet auf der Fläche eines bisher noch relativ intakten Waldstückes abgebaut werden müssen, oder ob nicht eine Überprüfung von Alternativstandorten, bei denen weniger umwelt-, klima-, und potentiell grundwasserschädliche Einschnitte nötig wären, verbunden mit einer forcierten Entwicklung zur verstärkten Rückgewinnung und Verwertung von Sekundärrohstoffen sinnvoller erscheint, insbesondere bei Betrachtung des 35-jährigen Zeithorizonts, während dem künftig im Entenpfuhl Sand und Kies abgebaut werden sollen, sollte die derzeitige Planung sich durchsetzen.

Wir LINKE lehnen das Vorhaben in der jetzigen Form deshalb, wie auch die örtlichen Umweltverbände, kategorisch ab: Angesichts zunehmender Probleme aufgrund des Klimawandels, können wir die Abholzung eines klimarelevanten Waldes nicht akzeptieren, vor allem dann nicht, wenn so offensichtlich ist, dass es keinen angemessenen ökologischen Ausgleich für das Vorhaben geben kann. Wir werden dementsprechend das Planfeststellungsverfahren kritisch begleiten und werden auch am öffentlichen Scoping-Termin am 20. August ab 10:00 Uhr beim Landratsamt in Heidelberg teilnehmen.”